KI im Betrieb: ein gebrauchter PC reicht oft. Aber das ist nicht der Punkt.
Ein kleines KI-Modell auf einem 450-Euro-PC sortiert den Posteingang so gut wie die große Cloud. Warum der eigentliche Hebel trotzdem nicht die Technik ist.
Über künstliche Intelligenz im Mittelstand wird viel versprochen. Meistens klingt es nach großer Cloud, monatlichen Gebühren und der Sorge, wohin die eigenen Daten eigentlich fließen. Ich habe mir das nüchtern angesehen und an einer ganz alltäglichen Aufgabe gemessen, dem täglichen Posteingang. Wer schreibt, worum geht es, was ist zu tun. Das Ergebnis hat mich in zwei Punkten überrascht, und der wichtigere davon hat mit Technik wenig zu tun.
Klein schlägt teuer. Für so eine Aufgabe braucht es kein riesiges, teures Modell. Ich habe mehrere KI-Modelle nebeneinander laufen lassen, von klein bis sehr groß. Auf dieser Aufgabe trifft ein kleines Modell genauso gut wie ein großes, das ein Vielfaches kostet. Größer ist hier nicht besser, nur teurer und langsamer.
Und es läuft im eigenen Haus, auf billiger Technik. Dieses kleine Modell braucht keinen besonderen Rechner. Ich habe einen gebrauchten PC für rund 450 Euro von Kleinanzeigen genommen, mit einer Grafikkarte, wie sie in Spiele-Rechnern steckt. Damit braucht die KI etwa zweieinhalb Sekunden pro Mail. Der Strom kostet ungefähr siebeneinhalb Euro im Monat. Kein Rechenzentrum, keine Cloud, keine monatliche Lizenz, kein fremder Online-Dienst.
Für manche Betriebe ist das mehr als eine Kostenfrage. Wenn die KI im eigenen Haus läuft, verlässt nichts das Haus. Für die meisten ist das ein Komfort. Für Steuerberater, Anwälte, Arztpraxen oder die Personalabteilung ist es mehr, denn dort fällt die ganze Diskussion über Cloud-Verträge, Auftragsverarbeitung und Datenübermittlung ins Ausland einfach weg, weil nichts übertragen wird. Ich sage bewusst nicht, das sei dann datenschutzkonform, das bleibt Sache von Ihnen und Ihrem Anwalt. Aber die schwierigste Diskussion ist vom Tisch.
Jetzt der ehrliche Teil: KI ist kein Selbstläufer. Eine KI sagt nie „das weiß ich nicht”. Sie antwortet immer, und sie klingt dabei immer sicher, auch wenn sie danebenliegt. In meinen Tests hat das Modell bei Mails, die in keine Schublade passten, trotzdem selbstbewusst die nächstbeste gewählt. Wer sich auf diese scheinbare Sicherheit verlässt, baut auf Sand. Das heißt nicht, dass die Technik nichts taugt. Es heißt, dass an der richtigen Stelle ein Mensch draufschauen muss. KI nimmt Arbeit ab, sie ersetzt nicht das Urteil.
Und hier kommt der eigentliche Punkt. Die größte Erkenntnis aus diesen Wochen hatte mit KI wenig zu tun. Es bringt wenig, einzelne Mails stur in Kategorien zu stecken. Was im Betrieb zählt, sind die wiederkehrenden Vorgänge, eine Bestellung, eine Rechnung, eine Zahlungserinnerung, eine Reklamation. Die Frage ist nicht „was für eine Mail ist das”, sondern „zu welchem Vorgang gehört sie”. Und vieles wird einfacher, wenn man zuerst weiß, von wem die Mail kommt, ein bekannter Kunde, ein Lieferant, oder jemand Unbekanntes. Diese eine Information nimmt der KI die meiste Raterei ab.
Daraus wird eine Vermutung, die ich noch nicht beweisen kann, die ich aber für die wichtigste halte. Am Ende vereinfacht nicht der Technik-Kniff, sondern der klare Blick auf den Geschäftsvorgang dahinter. Wer den Ablauf erst ordnet und dann automatisiert, bekommt die einfachere und die haltbarere Lösung. Technik zuerst und Prozess später ist meistens der teurere Weg.
Ein Wort zur Ehrlichkeit gehört dazu. Das sind Messungen an wenigen Beispielen, kein Beweis in Prozent. Sie zeigen, dass etwas funktioniert, nicht, dass es in neunundneunzig von hundert Fällen klappt. Für eine andere Aufgabe als das Mail-Sortieren kann das Bild anders aussehen. Was sich überträgt, ist nicht das Ergebnis, sondern die nüchterne Haltung dahinter, erst messen, dann glauben. Wen die genauen Zahlen interessieren, der findet sie im technischen Detailbericht zur lokalen KI.
Kurz zu uns, und eine Bitte.
Diesen Artikel habe ich geschrieben, weil ich an meinem eigenen Postfach gemessen habe, was lokale KI heute kann. Aber ein Postfach ist kein Betrieb. Wie es in echten Betrieben aussieht, weiß ich nicht, und genau das will ich verstehen.
Ich mache das nicht allein. Wir sind zu dritt, ein mehrfacher Unternehmensgründer und zwei Freelancer aus der Enterprise-IT, ich bin einer davon. Wir wollen verstehen, wo es kleinen und mittleren Betrieben bei ihren Abläufen wirklich klemmt, mit oder ohne KI. Was dabei am Ende gebraucht wird, wissen wir noch nicht. Das wollen wir herausfinden, bevor wir irgendetwas bauen.
Wenn Sie einen Betrieb führen, würden wir Ihnen gern 30 Minuten zuhören. Wie laufen Ihre Abläufe heute, was klappt, was nervt, und wo das Thema KI für Sie überhaupt auftaucht. Kein Pitch, kein Produkt, keine Folien. Wir lernen, Sie erzählen.
Sie sind mit dem, was im Alltag klemmt, vermutlich nicht allein. Je mehr Betriebe uns ihren Ablauf schildern, desto klarer wird, wo es wirklich hängt und was wirklich hilft. Was wir dabei lernen, geben wir zurück. Uns geht es ums Miteinander, nicht darum, dass jeder Betrieb seine Lösung allein zusammenstückelt. Ein Problem, das viele teilen, lässt sich gemeinsam besser lösen.
Schreiben Sie uns kurz an info@hauschel.de oder über LinkedIn, Stichwort „Interview”. Wir melden uns mit zwei, drei Terminvorschlägen.